Rede zur Versammlung am 07.09.2026

Rede zur Versammlung am 07.09.2026

Wir veröffentlichen unsere am 07.09. auf dem Hirschlandplatz gehaltene Rede im Wortlaut:

Liebe Essenerinnen und Essener,
liebe AntifaschistInnen und liebe Antifaschisten,

gestern ist die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft geworden. Eine rechtsextreme Partei greift in Deutschland nach der Macht.

Auf Landesebene wird sie jetzt die innere Sicherheit, Bildung und Kultur stark beeinflussen, Überwachung aufbauen und immer mehr Menschen ausgrenzen.

Das ist eine konkrete Bedrohung.
Für alle Menschen, die von der AfD zu Feindbildern gemacht werden.
Für Geflüchtete und Menschen mit Migrationsgeschichte.
Für queere Menschen und alle, die die AfD in ihrem reaktionären Geschlechterrollen-Kitsch nicht sehen will.
Für alle, die auf soziale Unterstützung angewiesen sind.
Und für alle, die für eine offene und solidarische Gesellschaft eintreten.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir (SO VIELE) heute hier sind.
Wir nehmen diesen Rechtsruck nicht schweigend hin!

Dieses Wahlergebnis ist kein Blitz aus heiterem Himmel.
Seit Jahren versprechen uns PolitikerInnen, Parteien und Regierungen, der AfD den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Gleichzeitig werden Krankenhäuser geschlossen, Schulen kaputtgespart, Wohnungen unbezahlbar und soziale Sicherheiten abgebaut, während die Vermögen einzelner Menschen, meist Männer, weiter wachsen.

Eine Brandmauer ist kein Sozialprogramm! Eine Brandmauer hält keine Mieten unten und eröffnet kein neues Krankenhaus!

Und wer die Sprache, Feindbilder und Migrationsdebatten der AfD übernimmt,
bremst Rechte Politik nicht,
er schlägt dieselbe Richtung ein.

Die afd nutzt Klassenunterschiede und diese soziale Unsicherheit,
um Menschen gegeneinander aufzuhetzen.
Der Rassismus der AfD ist bewusste Politik.

Sie lenkt die Wut auf Andere. Auf Menschen, die selbst wenig haben.

Und Wer gewinnt? Vermieter, Konzerne und Aktionäre, Menschen, die jetzt schon von Ihrem Reichtum leben können.
So beginnt Faschismus uns zu spalten.

Aber nicht die Herkunft von anderen Wohnungssuchenden treibt uns aus unseren Vierteln, sondern viel zu wenig Neubau und stark steigende Mieten, Spekulation in der Bauwirtschaft und die Profite einzelner.

Unser Gegner ist nicht der neue Nachbar.

Unser Gegner ist das Geschäft mit unserem Zuhause.
Wir brauchen ein solidarisches Miteinander,
wir brauchen Wohnungen statt Feindbilder!
 
Der Faschismus will, dass wir nach unten treten, damit wir nicht nach oben schauen.
So werden reale Verteilungskonflikte in Menschenfeindlichkeit umgedeutet.
Diese Spaltung machen wir nicht mit!
 
Der Rechtsruck ist kein Naturereignis.
Eine andere Politik ist möglich. Lösungsansätze für ein solidarisches Miteinander liegen auf dem Tisch.

Wir müssen große Vermögen, Erbschaften und Unternehmensgewinne endlich angemessen besteuern. Dieses Geld gehört in Schulen, Krankenhäuser, bezahlbare Wohnungen und starke Kommunen.

Wir brauchen mehr Tarifbindung, gute Löhne und Schutz vor prekärer Beschäftigung.
Ein Arbeitsplatzverlust darf niemanden in soziale Not stürzen. Menschen müssen die Wirksamkeit von Demokratie vor Ort erfahren können,
durch starke Vereine, Gewerkschaften, migrantische Selbstorganisationen, unabhängige lokale Medien und echte Beteiligung wie BürgerInnentscheide und BürgerInnenhaushalte.

Forderungen an Parlamente allein reichen nicht.

Rechte Strukturen arbeiten nicht nur in Wahlkämpfen. Sie schaffen Treffpunkte, sie knüpfen persönliche Bindungen, sprechen gezielt junge Menschen an und bauen ihre Netzwerke über Jahre auf.
Deshalb müssen auch wir uns organisieren.
In den Betrieben. In Schulen und Hochschulen. In unseren Vereinen, Gemeinden und Nachbarschaften. In unserer Stadt.

Genau deshalb ist die Arbeit von Essen stellt sich quer so wichtig. Seit 20 Jahren bringt das Bündnis Gewerkschaften, Jugendverbände, Religionsgemeinschaften, migrantische Selbstorganisationen, Vereine und Parteien zusammen.
 
Antifaschistische Bündnisarbeit ist kein Zusatzprogramm.
Sie ist demokratische Infrastruktur!

Wir brauchen ein Bündnis in dieser Stadt, das rechte Entwicklungen früh erkennt, schnell handeln kann, Betroffene nicht allein lässt und Menschen einen einfachen Weg bietet, selbst aktiv zu werden.

Deshalb sind wir heute nicht nur hier, um nach oben zu appellieren. Dieser Protest soll uns zusammenbringen und handlungsfähig machen.

Tauscht euch heute untereinander aus, lernte neue Menschen kennen, sprecht miteinander über eure Erfahrungen und eure Idee!
Bringt eure Gewerkschaft, euren Verein, eure Nachbarschaft oder eure Initiative ein!

Was in Sachsen-Anhalt politische Realität geworden ist, bereitet die AfD auch in Nordrhein-Westfalen vor. Wir überlassen den Rechten weder die Straße noch die soziale Frage!

Aus diesem Weckruf muss Verbindung werden,
aus Verbindung Organisierung
und aus Organisierung Gegenmacht.

Vielen Dank an alle, die uns bei so Veranstaltungen wie heute unterstützen, besonders an das AZ Mülheim, unseren Fahrer heute und alle Menschen, die hier heute so viel Arbeit reingesteckt haben und die Kundgebungen heute und in den nächstens Tagen möglich gemacht haben

Jetzt kommt das Wort unserer starken Verbündeten: Dennis Nachtweih, ehrenamtlicher Vorsitzender der Verdi-RuhrWest, danach Pfarrer Andreas Müller, Leiter der Diakonie Essen, bevor wir unsere Demo durch die Stadt beginnen. Wir machen eine Zwischenkundgebung mit Redebeiträgen aus der DIDF-Jugend und der NGG-Jugend.

Wenn ihr euch bei Essen stellt sich quer einbringen wollt, kommt am Montag, dem 14. September, um 18:30 Uhr zu unserem Kennenlernen ins DGB-Haus.

Kommt auch gerne morgen am Dienstag und Mittwoch jeweils ab 18 Uhr zu unseren Kundgebungen an der Marktkirche.
 
Und bringt jemanden mit, der heute noch nicht hier ist.
Gemeinsam sind wir:
Essen stellt sich quer!

Die Kommentare sind geschlossen.