Extrem rechte Konzentration in Steele

Im Essener Stadtteil Steele fanden zuletzt mehrere Agitationsversuche der Extremen Rechten statt. Damit bleibt die Gegend auch nach Jahren einer der attraktivsten Orte für die Mobilisierung der rechen Szene.
Am 12. September versuchten gleich zwei extrem rechte Parteien ihr Glück auf dem Grendplatz. Die AfD fuhr Vertreter*innen der Bezirksvertretung 2 auf, die einen Infostand ab 10 Uhr morgens abhielten. Vorgeschobenes Thema waren Grillzonen, die die Partei nutzt, um Stimmung besonders gegen muslimische Mitbürger*innen zu machen, Vorurteile zu säen und Vorbehalte zu stärken.
Kurz nach 13 Uhr gesellte sich die neonazistische Partei „Die Heimat“, die an diesem Tag gleich drei Infostände in Essen durchführte, auf dem Grendplatz dazu. Die Trümmerpartei konnte immerhin noch 6 Nazis zusammenkratzen, zeigt sich zuletzt aber personell deutlich geschwächt. Ihr scheint nicht zu gelingen, die 2024/2025 in Erscheinung getretenen radikalisierten Jugendlichen dauerhaft in der Partei zu halten. Die von alten Männern straff organisierte Partei ist der Jugend augenscheinlich zu starr, zu exklusiv und insgsamt zu unattraktiv. Von den massenhaften Zuläufen sind nur einige wenige, wenngleich stark ideologisch gefestigte Jugendliche übrig geblieben.

Die BV2 der AfD packte nach Erscheinen der Nachfolgepartei der NPD zwar ein und verließ den Grendplatz. Dass die AfD jedoch keine Berührungsängste mit den Neonazis hat, und man sich offensichtlich nicht spinnefeind ist, ist dokumentiert. Bei einem der von den Neonazis organisierten „Offenen Abende“ war eine Vertreterin der AfD anwesend, die dort augenscheinlich Merchandise verteilt und sich angeregt mit den Organisatoren des Agitationsevents unterhalten hat. Bei einem Treffen der „Generation Deutschland“, der Jugendorganisation der AfD, war ein Teilnehmer der „Offenen Abende“ der Nazis anwesend.
Ein genereller Trend, der erst kürzlich bei einer Wanderung von „Generation Deutschland“ und der Jugendorganisation der „Heimat“ von recherche nord dokumentiert wurde.

Keine Woche nach den beiden Parteien trat am 17. September dann auch die „Generation Deutschland“ auf dem Grendplatz in Erscheinung. Neben Stickern und Flyern versuchte die rechtsextremistische Gruppe Mitgliedsanträge bei „Jugendlichen und Anwohnern“ unterschreiben zu lassen.
Kontinuität in Essen-Steele
Rechte Aktivitäten haben eine lange Kontinuität in Essen-Steele. Die sogenannten „Steeler Jungs“, eine rechtsradikale Mischszene aus Neonazis, Hooligans, Rockern, Türstehern, Kampfsportlern und „Wutbürger*innen“ trat 2017 in Erscheinung und suchte regelmäßig den Stadtteil heim. 2018 entstanden mit zunächst den „Müttern gegen Gewalt“ und später den „Eltern gegen Gewalt“ weitere extrem rechte politische Vorfeldorganisationen, die Steele als Auftrittsort wählten.
Dass die aktuellen rechten Strukturen versuchen in Essen-Steele Fuß zu fassen, ist somit nur erwartbar. Dass sich die drei Organisationen innerhalb so kurzer Zeit auf den Stadtteil fokussieren, überrascht dennoch. Wir werden diese Entwicklung und die Fokussierung weiter im Auge behalten.