Miteinander reden?

Miteinander reden?

Der Artikel im Steeler Kurier.

Jüngst hat der Steeler Kurier einen Kommentar unter dem Titel „MIT den Jungs reden“ von Chefredakteur Detlef Leweux veröffentlicht. Der Autor fragt sich in der Rubrik „Klartext“ zunächst, wer diese „Spaziergänger“, wie er sie nennt, „wirklich sind“ und konstatiert, dass sie bislang „schweigend, ohne Parolen und Plakate“, durch Steele gezogen seien und sich  „von Gegendemonstranten nicht provozieren“ lassen hätten. Der Text schließt damit, dass man nicht mehr über die „Steeler Jungs“, sondern mit ihnen reden solle. Man sei dazu bereit.

Obgleich in den letzten Tagen, Wochen und Monaten bereits eine Vielzahl von Artikeln, Meinungen, Einschätzungen und Recherchen zu den „Steeler Jungs“, ihren Verbindungen und Hintergründen und ihrem Agieren als Bürgerwehr erschienen ist, scheint noch immer das „unpolitische“ Gebaren der „Steeler Jungs“ zu verfangen. Daher würden wir gerne anhand des Textes von Herrn Leweux ein paar Dinge beleuchten.

Die „Jungs“

Die Eigenbezeichnung der Gruppierung „Steeler Jungs“ ist nicht unklug gewählt, wie die Wortwahl im Artikel zeigt. „Jungs“, im veröffentlichten Artikel nicht in Anführungszeichen, ist eine verniedlichende Form und rangiert auf einer Ebene mit „Kumpels“ oder „Lausbuben“. Damit wird verschleiert, repektive verharmlost, dass es sich bei den „Steeler Jungs“ um eine Gruppe aus der rechten Hooligan-, Neonazi-, Rocker- und Türsteher-Szene handelt. Alles in allem eine Gruppe, die nicht gerade niedlich daherkommt, sobald man ihnen nicht genehm ist.

Die „Spaziergänger“

Im weiteren Text werden die Versammlungen der „Steeler Jungs“ als „Spaziergänge“ bezeichnet und damit ganz in der Rhetorik der „Steeler Jungs“ verharmlost und entpolitisiert. Das macht inzwischen nicht einmal mehr die Polizei. Nach langem Hin und Her kam diese zu der Erkenntnis, dass es sich bei den zunächst als „Spaziergang“ deklarierten Ansammlungen von quasi uniformierten Menschen um Demonstrationen handelt. Die „Steeler Jungs“ müssen ihre Demonstration seitdem bei der Versammlungsstelle der Essener Polizei anmelden. Ein Zuwiderhandeln würde das Begehen einer Straftat bedeuten.

Wer sind die denn nun wirklich?

Herr Leweux fragt in seinem Artikel, wer die „Steeler Jungs“ wirklich seien. Dazu genügt eine einfache Recherche, beispielsweise in den sozialen Medien. Es ist ein Leichtes, entsprechende Personen zu identifizieren und Verbindungen in die rechtsextreme, neonazistische, oder Rocker-Szene festzustellen. Da werden schonmal Fotos geteilt, auf denen jemand ein Hakenkreuz auf den Oberarm tätowiert hat. Da findet sich der ein oder andere Hitlergruß auf Fotos. Da finden sich Verbindungen zur neonazistischen „Division Braune Wölfe“. Da finden sich bedenklich oft Profile in den Farben schwarz-weiß-rot. Es finden sich aber auch eindeutig politische Positionierungen einzelner „Steeler Jungs“ gegen Zuwanderung, die Flüchtlingspolitik, Angela Merkel, die Presse. Und, natürlich, gegen Demokratinnen und Demokraten, beispielsweise vom Bündnis „Mut machen – Steele bleibt bunt“, sowie unserem Bündnis.

Sind die wirklich so still?

In der Tat, bis vor kurzem sind die „Steeler Jungs“ schweigend und ohne Parolen durch die Stadt gelaufen. Seit dem Freisenbrucher Karnevalszug aber positionieren sie sich auch öffentlich auf ihren Versammlungen politisch und hetzen gegen Menschen, die sie als „Zecken“ bezeichnen. Oder sie skandieren auf einer Demonstration „<Person> verpiss dich! Keiner vermisst dich!“. Den Namen der Person geben wir hier aus Rücksicht auf diese nicht wieder. Auch weitere Personen, bis hin zu lokalen Politikern, werden immer wieder öffentlich von den „Steeler Jungs“ angegriffen und als das schlechthin Böse personifiziert.

Erst diese Woche sind Flugblätter in Steele und Kray aufgetaucht, die das Bürger*innenbündnis in Steele diffamieren. Das Flugblatt kursierte ebenso am 2.4. beim RWE-Pokalspiel und ist natürlich längst online, mitsamt Entmenschlichungen von Einzelpersonen.

Welche Provokation?

Im Text wird beschrieben, dass sich die „Steeler Jungs“ nicht provozieren lassen hätten. Wodurch auch? Zu jeder Zeit ist der Protest des steelenser Bürger*innenbüngnis friedlich, wenngleich aber auch bestimmt gewesen. Dieses Recht auf Meinungsäußerung ist eines der höchsten Güter des Grundgesetzes und steht zunächst allen zu. Nichtsdestotrotz genügte es einer Person aus den Reihen der „Steeler Jungs“, sich als Reaktion auf die Präsenz von Gegenprotest zu einem Hitlergruß hinreißen zu lassen. Im Nachgang haben Teilnehmer*innen der „Steeler Jungs“ Gegendemonstrant*innen fotografiert und sogar ihre Heimatadressen ins Visier genommen.

Mit Rechten reden?

Alles in allem sind die von Herrn Leweux aufgeworfenen Fragen recht einfach und schnell zu beantworten. Aufgrund der Vorfälle und den nicht abreißenden Entgleisungen der „Steeler Jungs“ ist ein Dialog mit dieser Gruppe aus unserer Sicht nicht machbar. Zu sehr haben große Teile der „Steeler Jungs“ den Pfad des Anstands verlassen. Ironischer Weise wird der Artikel seiner eigenen Forderung, nämlich „mit“ den „Steeler Jungs“ zu reden, selber nicht gerecht. Uns zumindest verwundert das nicht, denn die Idee eines Interviews mit den „Steeler Jungs“ kam sicherlich nicht zum ersten Mal auf. Vielmehr sind es die „Steeler Jungs“, die seit jeher den Dialog verweigern, keine Interviews geben, insbesondere auch nicht den größeren Medien der Funke-Gruppe (WAZ, NRZ). Das tun sie, um trotz der eigenen politischen Einstellung und Agenda anschlussfähig für eine breitere Masse zu bleiben.

Nein, wer eine rechte Bürgerwehr mit mannigfaltigen Verbindungen in die rechtsextreme Szene gründet und stets den Dialog verwehrt, ist kein Gesprächspartner. Jeder Versuch den „Steeler Jungs“ eine Plattform zu gewähren wird darin münden, ihnen eine Bühne für ihre Ideologie zu geben oder ihr Agieren zu relativieren. Mit solchen Rechten redet man nicht.

Die Kommentare sind geschloßen.