Rechtsradikales Konzert in Essen

Rechtsradikales Konzert in Essen

Am 12.11.2019 fand ein rechtsradikales Konzert in der Sportsbar „300“ in Essen statt. Geladen war der rechtsradikale und vorbestrafte Michael Regener, alias „Lunikoff“, zu einem „Balladenabend“. Dass ausgerechnet die Sportsbar „300“ als Veranstaltungsort gewählt wurde überrascht nicht, da sich hier donnerstags die selbsternannten „Steeler Jungs“ treffen. Der Mann der Betreiberin des „300“, Christian „Bifi“ Willing, ist selber führendes Mitglied der „Steeler Jungs“, sowie führender Kopf bei der Hooligan-Gruppe „Alte Garde Essen“ und Vorsitzender des Bottroper Chapters der „Bandidos“. Auch Personen, die den „Altenessener Jungs“ zuzuordnen sind, waren bei der Veranstaltung.

„Die Lunikoff Verschwörung“

Hinter der Band „Die Lunikoff Verschwörung" verbirgt sich der mehrfach vorbestrafte Sänger Michael Regener. Der Name „Lunikoff“ geht auf eine DDR-Wodkamarke zurück. Regener, geboren 1965 in Ost-Berlin, ist der ehemalige Sänger der neonazistischen Musikgruppe „Landser“, die vom Bundesgerichtshof als kriminelle Vereinigung eingestuft wurde. Über „Landser“ bestanden unter anderem Kontakte in das extrem gewaltbereite rechtsradikale Netzwerk „Blood and Honour“.

Regener wurde 2001 aufgrund der Bildung einer kriminellen Vereinigung verhaftet. 2003 wurde er zu drei Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Er wurde unter anderem wegen Volksverhetzung, Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen und dem Billigen von Straftaten belangt. Die Freiheitsstrafe saß er in der JVA Berlin-Tegel ab.

Die Verurteilung brachte Regener einen Märtyrer-Status innerhalb der rechtsradikalen Szene ein.

Am Vortag der Veranstaltung in Essen war „Lunikoff“ zu Gast bei „DIE RECHTE“ in Dortmund. Regener trug dabei ein T-Shirt mit der Aufschrift „Refugees not welcome“ nebst eines „Stinkefingers“. Zudem trägt er einen Button des Ku-Klux-Klans mit der Aufschrift „KKK“.

Siegfried „SS Siggi“ Borchardt (DIE RECHTE Dortmund), Michael „Lunikoff“ Regener, Christoph Drewer (DIE RECHTE Dortmund) (v.l.n.r)

Rechtsradikaler Ausrichter

Die Konzerte der „Lunikoff Verschwörung“ finden oft im konspirativen Rahmen statt und werden nur szeneintern beworben. Regeners Führungsauflagen wurden 2009 verschärft seitdem muss er jedes Konzert mit Datum und genauem Veranstaltungsort bei der Polizei bekannt geben.

Ausrichter des „Balladenabends“ im „300“ war der rechtsradikale Versandhandel „Hermannsland". Regener soll den Versandhandel noch während seiner Haftzeit kreiert haben. Hinter dem Handel steht eine ganze Gruppe bekannter Neonazis.

Angemeldet war die Marke „Hermannsland“ auf Alexander Gast. Gast ist Gründungsmitglied der rechtsradikalen Band „Spreegeschwader“, mit Kontakten zu „Hammerskins“, „Blood and Honour“ und später zur NPD. Inzwischen ist die Anmeldung der Wort- und Bildmarke „Hermannsland“ aufgrund des Verstoßes gegen die öffentliche Ordnung/gute Sitten (§ 8 Abs. 2 Nr. 5 MarkgenG) zurückgewiesen.

Im Impressum des Hermannsland-Versands wird Nils Larisch aufgeführt. Er leitete das NPD-Zentrum in der Leipziger Odermannstraße und ist ein bekanntes Gesicht der neonazistischen Hooligan-Szene.

Larisch bedankt sich am 12.11. bei den Kameraden in Essen:

Ku-Klux-Klan zu Gast in Essen

Beobachter der Szene verwundert nicht, dass „Lunikoff“ in der Sportsbar „300“ aufgetreten ist. Bereits in der Vergangenheit haben dort Rechtsrockkonzerte stattgefunden. Zuletzt mit der aus dem rechtsradikalen Hooligan-Spektrum stammende Gruppe „Kategorie C".

Beim Konzert in Essen trug Regener rechtsradikale Embleme:

Zu sehen ist er auf Fotos mit einem Button mit der Aufschrift „KKK“, einem Symbol des rechtsterroristischen Ku-Klux-Klans. Das T-Shirt mit der Aufschrift „White Knights Mississippi“ verweist auf die „White Knights of the Ku Klux Klan", die als militanteste aller KKK-Organisationen gelten.

Kontakte zu den selbsternannten „Jungs“ und „Mädels“

Derartige politische Positionierungen sind jedoch für das Spektrum der „Steeler Jungs“ offenbar kein Grund, sich zu distanzieren. Mehr noch: der Veranstaltung muss eine explizite Einladung in den Szenetreff vorausgegangen sein. Zeit also, sich ein paar Personen genauer anzusehen:

Christian C.

Ebenfalls auf dem ersten Foto links zu sehen ist Christian C. mit einem „Lunikoff“-Fan-Shirt aus dem „Hermannsland“ Versand. In seinem Facebook-Profil brüstet er sich seit dem 12.11. mit einem Foto Arm in Arm mit „Lunikoff“.

C. ist Anhänger der Hooligan-Gruppe „Commando Essen“. Er gibt sich öffentlich als Fan von „Kategorie C“ zu verstehen und hält auch sonst durch die verschiedenen „Gefällt mir“ Angaben in seinem Facebook-Profil nicht mit seiner rechten Gesinnung hinter dem Berg. Privat trägt er die bei Neonazis beliebte Szene-Marke „Thor Steinar“.

Stephanie G.

Die Person rechts auf dem ersten Foto ist Stephanie G., die ein Jubiläums-T-Shirt der Band „Kategorie C“ trägt. Sie steht auch sonst der rechtsradikalen Szene nicht abgeneigt gegenüber. G. und C. sind ein Paar und teilen ähnliche Vorlieben. G. gehört zu den selbsternannten „Altenessener Mädels“, die inzwischen regelmäßig mit den männlichen Pendants, den „Altenessener Jungs“, durch Altenessen laufen.

Angela G.

Ebenfalls anwesend war das „Altenessener Mädel“ Angela G., die gemeinsam mit ihrem Mann – zu sehen links auf dem zweiten Foto – und „Lunikoff“ für die Kamera posierte.

„Sascha Mini“

Hinter dem Facebook-Profil „Sascha Mini“ verbirgt sich ein Mitglied der Essener Bandidos-Supporter-Gruppe „Crew 45“. „Sascha Mini“ ist auf dem zweiten Foto auf der rechten Seite zu sehen.

Rechtsradikalen entgegentreten, ehe es zu spät ist

Es zeigt sich, dass die rechte Szene in Essen keinerlei Berührungsängste mit Rechtsradikalen hat. Sie ist vielmehr Teil der rechtsradikalen Szene, wie diese Recherche abermals belegt.

Auch die noch recht frisch entstandenen Strukturen aus Altenessen pflegen jene Verbindungen. Besonders ihnen sollte also gesamtgesellschaftlich Einhalt geboten werden, damit sie sich nicht, wie ihr Vorbild, die „Steeler Jungs“, im Stadtteil ungehindert ausbreiten können, bis es zu spät ist und sie sich festgesetzt haben.

Wie auch immer sich die Gruppierungen gerade nennen, ob „Altenessener Jungs“ oder „-Mädels“, ob „Steeler Jungs“, oder „Huttroper-„. Es ist und bleibt dieselbe Soße aus Rechtsradikalen, Rockern und Hooligans.

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