Heraus zum 1. Mai 2020

Heraus zum 1. Mai 2020

Wir dokumentieren den Redebeitrag, den wir auf der Veranstaltung “Heraus zum 1. Mai 2020” gehalten haben:

Liebe Freundinnen und Freunde,

ich freue mich heute hier bei euch sein zu dürfen. Im Namen des Bündnisses Essen stellt sich quer möchte ich euch alle herzlich grüßen!

Dass wir uns hier heute versammeln ist – davon werden die Organisator*innen ein Lied singen können – keine Selbstverständlichkeit in dieser Zeit. 

Und dennoch denke ich, dass es eine gute Sache ist.

Es ist eine gute Sache auf die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aufmerksam zu machen. Immer, an sich. Aber eben auch besonders in der jetzigen, von Corona geprägten, Zeit.

Den Kolleginnen und Kollegen im Einzelhandel gehört unser höchster Respekt. Und es ist bedauerlich, dass es erst einen weltweit grassierenden Virus mitsamt massiven Einschnitten in das öffentliche Leben mitsamt eines noch nie dagewesenen Lockdowns braucht, um diesen einfachen Umstand hervorzuheben. Ihr, liebe Kolleginnen und Kollegen, habt es daher – und ich möchte betonen: nicht erst seitdem – verdient, entsprechend entlohnt und entsprechend gewürdigt zu werden!

Sich hier heute zu versammeln ist aber ebenfalls eine gute Sache, um auf eins der Kernthemen dieses unseres Bündnisses hinzuweisen: Rassismus.

Vielen Menschen, die als “asiatisch” angesehen werden, schlägt derzeit vielerlei entgegen: Ekel, Abscheu, Furcht und mithin auch Hass! Ihnen wird entgegen geschmettert, sie trügen das Virus in sich. Sie seien diejenigen, die das Virus “importiert” hätten. Sie diejenigen, die für all das, was wir gerade erleben, verantwortlich sind!

Nichts könnte falscher sein!

Dass Rassismus es nicht so streng mit logischer Stringenz nimmt, zeigt, dass auch in China, wo das Virus schon früher als im Rest der Welt aufgetreten ist, Schwarze Menschen als Verursacher für das Virus angesehen werden. Ihnen widerfährt dort ebenfalls Rassismus. Sie werden geschasst, ausgegrenzt, dürfen nicht mehr in Einkaufshäuser und dergleichen mehr!

Liebe Freundinnen und Freunde, lasst uns bei aller – teils auch berechtigten – Unzufriedenheit mit den Coronamaßnahmen abermals festhalten: Rassismus bringt niemanden weiter. Rassismus ist irrational, falsch, schlichtweg absurd! Wir, die wir hier stehen, werden latentem und grassierendem Rassismus auch weiter vehement entgegentreten!

Auch deswegen stehen wir heute hier! Um den Kolleginnen und Kollegen, die in Deutschland, NRW und Essen von derlei rassistischen Anfeindungen betroffen sind zu versprechen, solche Situationen nicht unwidersprochen zu lassen.

Einen weiteren Appell möchte ich ebenfalls mitgeben: Lasst uns gemeinsam während der Coronaschutzmaßnahmen ebenfalls nicht den Blick für das Treiben rechter und rechtsradikaler Personen und Gruppen verlieren.

Es scheint still um die sogenannten “Steeler Jungs” geworden zu sein. Denn seit den Maßnahmen marschieren sie nicht mehr durch den Stadtteil Steele. Diese Ruhe ist allerdings trügerisch. Denn sie warten quasi nur darauf wieder loszulegen, sobald die Einschränkungen gelockert werden. Teile der “Steeler Jungs” haben kürzlich erst einen Kampfsport-Club in Gelsenkirchen gegründet. Dort trainieren einige der Mitglieder jetzt Schläge, Tritte, stählen sich und halten sich fit.

Weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Solche Aktionen sollten für uns alle ein Warnzeichen sein. Denn die Szene schläft nur vermeintlich. Tatsächlich wappnet sie sich bereits für die Zeit nach Corona.

Daher bitten wir euch: Seid wachsam und kritisch. Haltet die Augen offen und meldet euch, falls ihr rechte oder rechtsradikale Agitation oder Propaganda entdeckt. Das könnt ihr beispielsweise sehr gut bei uns tun.

Liebe Freundinnen und Freunde, vielen Dank für eure Aufmerksamkeit! Ich wünsche euch einen schönen restlichen 1. Mai! Bleibt gesund!

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