Wogegen wird in Wahrheit demonstriert? Die vermeintlichen Sorgen von “Freiheit21”

Wogegen wird in Wahrheit demonstriert? Die vermeintlichen Sorgen von “Freiheit21”

Wir dokumentieren unseren Redebeitrag zu den vermeintlichen Sorgen von “Freiheit 21”, den wir am 05.07.2020 gehalten haben:

Liebe Versammlungsteilnehmer,

vermutlich werden die folgenden Momente nicht zu den spannendsten Minuten eures heutigen Tages gehören, aber selten schadet es, sich mit den Argumenten und vermeintlichen Sorgen seiner Gegensacher auseinanderzusetzten. Wogegen demonstriert also heute „Freiheit21“?

Heute stehen wir hier, und auf der anderen Seite die „Gruppierung ‚Freiheit21‘“, deren Hintergrund nun zur Genüge bekannt sein dürfte, und sich mit der Sorge um Fahrverbote und weiterer Einschränkungen auf die Straße begibt, und Deutschlandfahnen schwenkend ihre Rechte einfordert.

„Freiheit 21“ fürchtet sich davor, an bestimmten Tagen im Jahr und an bestimmten Orten nicht mehr seine Motorräder ausfahren zu können, und davor, dass Maschinen von Tunern, von „Schraubern“ nur noch ihren Sound bis zu 80 Dezibel ausröhren dürfen sollen – und diese Sorgen sind sogar begründet:

Eine vor wenigen Wochen durch den Bundesrat eingebrachte Initiative sieht neue Regulierungen für Zweirad-Neuzulassungen, weitergehende Kontrollen, sowie Einschränkungen vor – gegossen in einen Zehn Punkte-Plan.

So weit, so -aus deren Sicht- durchaus kritisch zu betrachten.
Aber was hat es damit auf sich? Und was ist der verschwörungstheoretische Aufhänger, den man Gruppen wie ‚Freiheit21‘ und anderen Xavier-Attila-Fans grundsätzlich unterstellen muss?

Drei Punkte werden von den Gegner der Initiative konsequent ignoriert, oder nicht für voll genommen:

  1. Der  geforderte Grenzwert von 80 db(A) liegt bereits heute über dem geltenden EU-weiten Grenzwerte von 77 db(A), welcher in einem zweiten Schritt noch weiter gesenkt werden soll bzw. wird.
    Wo liegt also das Problem für den Gesetzgeber?
    Das liegt in der Möglichkeit für Hersteller von Motorrädern, diesen Grenzwert heute legal durch Umgestaltungen und Modifikationen aushebeln zu können.
    Freiheit21 und andere ach so Gesetztestreue wenden sich also dagegen, dass kurzfristig gesehen geltendes Recht durchgesetzt, und langfristig gesehen ihnen sogar neue Freiheiten eingeräumt werden sollen, was das Schrauben und Tunen an ihren herb-männlichen Maschinen angeht. Sie dürften lauter bleiben.

    -Das dürfte jetzt den ein oder anderen von drüben, der im Nachgang diese Rede verfolgt, arg verwundern…

  2. Die meisten Pläne stellen in Ihren Mittelpunkt, lärmbelastete Anwohner zu schützen – es ist keinesfalls die Rede davon, landes- oder gar bundesweit den Motorradverkehr zu verbieten.
    Keiner. Stelle. des. zehn Punkte-Entwurfs ist dies auch nur zwischen den Zeilen zu entnehmen. Dort heißt es, und ich zitiere:
    Der Bundesrat sieht dringenden Handlungsbedarf, für besondere Konfliktfälle Geschwindigkeitsbeschränkungen und zeitlich beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen aus Gründen des Lärmschutzes zu ermöglichen.“
    -„Besondere Konfliktfälle“, „zeitlich beschränkt“, „an Sonn- und Feiertagen“ – get your shit together!

    Der hierdurch erreichbare Lärm- und Gesundheitsschutz für die Anwohner wird durch Freiheit21 & co bewusst nicht anerkannt, und in einschlägigen Posts und Kommentaren darüber bespottet.

    Hier will keine linksgrün-versiffte Bundesregierung einen Schlussstrich unter den Individualverkehr ziehen!
    Hier sollen Oppa Karl auffem Campingplatz, Omma Hilde im Bungalow am See, und Schrebergärtner Achmed an besonders durch Lärm belästigten und belasteten Orten wenigstens am Wochenende Ruhe, und gutdeutsche Gemütlichkeit finden!

3.) Merkel hat ein. einziges. Mal. in einem unglücklichen Interview 2017 gesagt, dass in 20 Jahren kein nicht-autonomes Fahren mehr erlaubt seien solle.

-Interessanterweise kommen Menschen, die sich über ihre Aussage mokieren, in ihrer Zeitrechnungen dabei meist auf das Jahr 2030. Darauf nicht weiter eingehend ist mittlerweile bekannt, was Merkel damit gemeint hat:

Aus Gründen der Verkehrssicherheit sollen Fahrzeuge, die neu zugelassen werden, technologisch modern sein, und in den allgemeinen Straßenverkehr proaktiv-schützend einwirken:
So sollen etwa Fahrzeuge automatisch anbremsen, sobald etwas -zum Beispiel ein Kind!- überraschend und schnell in die Fahrbahn gerät, und deutliche Geschwindigkeitsüberschreitungen sollen in einem Display warnend angezeigt werden.
-Klingt für euch alles verdächtig vernünftig und nach „deutscher Ingenieurskunst“? Für mich auch…

Liebe Biker, liebe Autofahrer, liebe um ihre Bewegungsfreiheit besorgte Mitbürger: lasst euch nicht von diesen Blendern, die als Xavier Naidoo-Supporter gestartet haben, und hier und heute einschlägiges Personal mobilisiert haben vor ihren Karren spannen.
Einen Karren, der früher oder später, wie so manche andere Bewegungen dieser Tage, deutlich nach rechts abbiegen wird!

Die Kommentare sind geschlossen.