Altenessener „Spaziergänge“: Wieder mit Nazis

Altenessener „Spaziergänge“: Wieder mit Nazis

Rechte Mischszenen haben derzeit Konjunktur: Bundesweit ist das Phänomen zu beobachten, dass sich rechte Gruppen in einen bürgerlichen, parteilosen Schafspelz kleiden und die aufgeheizte Stimmung gegen Ausländer*innen, Migration und Sozialabbau ausgenutzt wird, um möglichst viele Menschen für das eigene ideologische Ziel zu gewinnen. Dabei verzichten diese Gruppen gezielt darauf nach Außen hin durch Parolen, Banner oder Plakate aufzufallen. Die Grundsteinlegung und Festigung rechter Ideologie wird abseits der Öffentlichkeit in Chat-Foren, Video-Kanälen und Einzelgesprächen vorgenommen. Dadurch ist es der Rechten möglich auch hinein ins bürgerliche und konservative Millieu zu wirken und Menschen aus diesen Sphären für sich zu gewinnen.

In Essen stellen die selbsternannten „Steeler Jungs“ (SJ) derzeit den Archetyp einer solchen Mischszene dar. Auf ihren Versammlungen werden keine politischen Botschaften kundgetan; sie sind jedoch alles andere als harmlos. Ein Vorbild, das inzwischen auch in anderen Stadtteilen, wie Freisenbruch und Altenessen (in Borbeck und Huttrop wirken die SJ bereits) wirkt: In Freisenbruch wird gerade eine bürgerwehrähnliche Struktur diskutiert, die ganz offen positiven Bezug auf die SJ nimmt.

Gezielter Aufbau von Mischszenen

Eigenbeschreibung der Gruppe auf Facebook.

In Altenessen fanden indes bereits vier Versammlungen einer Mischszene statt. Dass auch die altenessener Versammlungen, genau wie die der SJ, als „Spaziergänge“ bezeichnet werden, ist kein Zufall, sondern ein deutliches Zeichen dafür, von wem diese Aktionsform abgekupfert wurde und wer Ideengeber war. Wie auch schon in Steele lohnt daher ein genauerer Blick über die bislang vorhandenen Informationen und Fakten.

Wie die WAZ berichtet, organisiert sich die Gruppe online auf Facebook. Eine entsprechende Gruppe hat derzeit 166 Mitglieder und wurde am 12. Juli gegründet. Laut Eigenbeschreibung sei man gegen „Multikultiwahn“ und „Überfremdung“, zwei klassische Schlüsselworte des rechten Sprachrepertoires. Administrator*innen dieser Gruppe sind Mandy K., Michael K., Markus L, Michaela M., Thomas K. und Ulrich S., der eine interessante Verbindung zu einem alten bekannten aufweist: Christian „Bifi“ W.:

Links im Bild Ulrich S., rechts daneben Christian „Bifi“ W., einer der Köpfe der „Steeler Jungs“

Christian „Bifi“ W. ist einer der führenden Köpfe der selbsternannten „Steeler Jungs“. Die eingangs bereits beschriebenen Überschneidungen beider Gruppen sind daher sicherlich kein Zufall. S. steht der rechten RWE-Hooligan-Gruppe „Essener Löwen“, sowie der AfD nah, wie die folgenden beiden Bilder zeigen.

Nazis marschieren mit

An der ersten Versammlung, die am 4. August stattfand, nahmen 39 Personen teil. In einem veröffentlichten Video sieht man eine gestellte Szene, in der die Versammlung an der Kamera vorbeiläut. Einige Personen tragen dabei rote Herz-Luftballons. Mit von der Partie sind aber auch mindestens zwei Nazis der Kameradschaft „Division Altenessen“.

Vor diesem Hintergrund kann die Eigenbeschreibung der Gruppe nur mit aller Vehemenz zurückgewiesen werden, da sie der Realität nicht standhält. Statt sich glaubhaft und stichhaltig von Gewalt zu distanzieren, gewährt man radikalen und gewalttätigen Verfassungsfeinden einen Platz in den eigenen Reihen. Dass man vorgibt unpolitisch zu sein, hält dem Faktencheck somit ebenfalls nicht stand.

Es gilt die Bewegung mit äußerster Vorsicht weiter zu beobachten. Wir empfehlen allen Altenessener*innen zudem einen großen Bogen um sie zu machen und Formen zu finden, wie betont werden kann, dass Altenessen bunt, tolerant und vielfältig ist. Zustände, wie wir sie derzeit in Steele vorfinden, in der eine rechte Bürgerwehr einen ganzen Stadtteil in Verruf bringt, soll Altenessen erspart bleiben.

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