„Steeler Jungs“: Rechtsradikales Netzwerk auf VK

„Steeler Jungs“: Rechtsradikales Netzwerk auf VK

In diesem Artikel inspizieren wir einige der rechtsradikalen Protagonisten der „Steeler Jungs“ auf der russischen Plattform VK und fördern widerwärtiges zu Tage: Nationalsozialismus, Rassismus und sogar eine Hakenkreuz-Torte zum Geburtstag.

 „Endlich mal nicht direkt gesperrt“

Schon seit geraumer Zeit zieht es Rechtsradikale weg von Facebook oder Instagram hin zum sozialen Netzwerk VK. VK ist das größte Social Network Russlands. Während in Deutschland gegen Hass und Hetze im Netz vorgegangen wird und Unternehmen wie Facebook gegen rechtsradikale Propaganda, Rassismus und Antisemitismus vorgehen, können sich deutsche Neonazis und Rechtsradikale in dem russischen Paralleluniversum austoben: Hier gibt es kaum bis keinerlei Reglementierungen, was gepostet werden darf. Neonazismus, Rechtsradikalismus, Antisemitismus findet dort eine Plattform.

Über die letzten Monate und Jahre hat sich dort inzwischen ein Biotop rechtsradikalen Hasses entwickelt. Auch die „Steeler Jungs“ haben sich dort häuslich eingerichtet, um ihre Ideologie unverfrorener ausleben zu können.

Ein “erfolgreicher” Test: Nazi-Flagge im Zusammenhang mit RWE kann ohne Probleme auf VK gepostet werden.

Zwei Dinge in diesem Screenshot stechen ins Auge. Zum einen die inzwischen wohlbekannte Verbindung zwischen einer RWE-Fußball-“Fan”-Szene und Rechtsradikalismus. Zum anderen kommt dem*der geneigten Leser*in das Profilfoto von „Buggi Buggi“ seltsam bekannt vor.

Hinter “Buggi Buggi” steckt beispielsweise der “Steeler Jung” Thomas B. Die eindeutige Zuordnung der Personen zu ihren jeweiligen Pseudonymen im Verlauf dieses Artikels ist durch Vergleich und Kombination anderer Quellen eindeutig zu belegen.

Thomas B.

Thomas „Buggi“ B. stellt sein Faible für den Nationalsozialismus am offensten zur Schau. Als Profilbild hat er ein Bild von keinem geringeren als Adolf Hitler gewählt.

Ebenso macht er keinen Hehl daraus, Mitglied bei den „Steeler Jungs“ zu sein:

„Alles Gute vom deutschen Volk“

Geburtstag bei den „Steeler Jungs“, da darf eine entsprechende Torte nicht fehlen. Wie es sich für Rechtsradikale gehört, selbstverständlich mit schwarz-rot-goldener Deutschlandfahne, garniert mit mehreren Hakenkreuzen. Kein Wunder, dass ein weiterer „Steeler Jung“ kommentiert: „Viel zu schade zum essen“.

“Steeler Jungs” – Hakenkreuztorte zum Geburtstag.

Klarer Neonazismus

Thomas „Buggi“ B. teilt aber noch mehr rechtsradikale Propaganda: Er grüßt mit Reichsadler seine „Kameraden/innen“:

Des Weiteren hat B. eine Videocollage hochgeladen. Zu dem Lied „Ich will“ von Rammstein werden Aufmärsche der Nazis, propagandistische Jubelveranstaltungen und jede Menge Bildmaterial von Adolf Hitler gezeigt. Das Video ist mit hohem Aufwand produziert: Es soll wirken, als würde Adolf Hitler lippensynchron selbst den Titel von Rammstein singen.

Rechtsradikale Freunde

Das Profil von B. weist 30 Personen als „befreundet“ aus. In all dieser Leute eigener Profile taucht somit Adolf Hitler im Profilbild B.s auf. Es scheint sie nicht zu stören.

Exemplarische Freundesliste aus dem Netz der “Steeler Jungs” auf VK.

Alle Personen sind entweder Mitglieder bei den „Steeler Jungs“, oder weisen zumindest enge Bezüge zu ihnen auf:

  • Nummer 1 und 2, Christian „Bifi“ Willing, ist einer der führenden Köpfe der „Steeler Jungs“.
  • Nummer 16, Claus G., ist Gründungsmitglied der rechtsradikalen Gruppe „Junge Patrioten Essen“ und war an der rechten Sticker-Aktion an unserem Büro beteiligt.
  • Nummer 20, Chris S. (tritt in VK unter Pseudonym auf), nutzt ein Emblem des Ku-Klux-Klans.
  • Nummer 13, Dirk B., Nummber 23, Christian S., Nummer 24, sowie Mark P. (tritt in VK unter Pseudonym auf), und Nummer 26, Danny W., treten bei nahezu jeder Versammlung der „Steeler Jungs“ auf.
  • Nummer 30., Ralf Nieland, ist Kopf der rechtsradikalen Gruppe „Bruderschaft Deutschland“. Einer Gruppe, deren Ableger „Bruderschaft Deutschland Sektion Süd“ mit Tony E. einen Rechtsterrorismusverdächtigen aus der „Gruppe Somogy“ beherbergt hat. Nieland hat sich mit E. ablichten lassen.

Michael G.

Michael G. ist ebenfalls Mitglied der “Steeler Jungs”.

G. in Kluft der “Steeler Jungs”.

G. postet ein Video “Arisches Kind” der Gruppe Landser. Landser war eine deutsche Rechtsrock-Band aus Berlin und bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2003 die bundesweit erfolgreichste sowie bekannteste Musikgruppe aus dem neonazistischen Milieu.

Danny W.

Der “Steeler Jung” Danny W. geriert sich als germanischer “Heimatkämpfer”, der an vorderster Front kämpft.

Selbstbeschreibung von W.

Sein Profilbild ziert eine schwarze Sonne. Die Schwarze Sonne ist eine Zusammensetzung von zwölf Sig-Runen oder als zwölfarmiges Hakenkreuz zu verstehen. Ausgedrückt werden soll die „Verbundenheit mit der eigenen Art und mit den arteigenen Wertvorstellungen“.

Weiter in seinem Profil zu finden ist ein Bild mit mehreren rechtsradikalen Inhalten:

Gleich vier rechtsradikale Inhalte.

Zu sehen ist ein Eiserners Kreuz mit dem Schriftzug “Gott mit uns”, eine Hommage an die Wehrmacht des zweiten Weltkriegs. Inmitten des Bildes ist ein Affe zu sehen, der einen Hitlergruß zeigt. Das Stofftier trägt einen Pin mit der Aufschrift “White Power”, ein international verwendeter Schlüsselbegriff der Neonazi-Szene. Am rechten Rand des Bildes ist die Reichskriegsflagge in der Version von 1867 – 1921 zu sehen. Das Zeigen dieser Variante ist an sich nicht strafbar, die Polizei kann sie aber unter bestimmten Umständen wegen Störung der öffentlichen Ordnung einziehen.

Mark P.

Der “Steeler Jung” Mark P. tritt in VK als “Fred Vorzeiger” auf.

Das Pseudonym “Fred Vorzeiger” geht auf ein Lied der Gruppe “Radikahl” zurück. “Radikahl” wurde 1988/89 unter dem Namen Giftgas in Nürnberg gegründet. Die Gruppe gehört zusammen mit StörkraftNoie WerteKroizfoier und Freikorps zu den ältesten und bekanntesten deutschen Neonazi-Bands in Deutschland.

Christian Willing

Christian “Bifi” Willing, einer der führenden Köpfe der “Steeler Jungs”, posiert freudestrahlend mit dem mehrfach vorbestraften Sänger Michael “Lunikoff” Regener. Regener ist in der Sportsbar “300” zu einem rechtsradikalen Balladenabend aufgetreten und trug dazu Insignien des Ku-Klux-Klans.

Nur die Spitze des Eisbergs

Aber auch weitere Profile von “Steeler Jungs”, zu denen noch nicht eindeutig eine Person zugeordnet werden konnte, machen aus ihrem Rechtsradikalismus keinen Hehl.

So teilt ein “Steeler Jung” ein Bild mit der Aufschrift “Deutschland – Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!”. Das Zitat stammt von Bertold Brecht und ist in der rechtsradikalen Szene, die sich in Vorbereitung auf eine Rebellion und Bürgerkrieg sieht, äußerst beliebt. Auf dem Bild ist neben einer schwarz-rot-goldenen Fahne noch ein Adler zu sehen. Außerdem ist Edward Norton in seiner Rolle als Derek Vinyard zu sehen. Im Film American History X ist Derek Vinyard ein stark in der Szene aktiver, neonazistisch ausgerichteter Skinhead, der zwei Afroamerikaner ermordet. Er erschießt einen und ermordet einen zweiten brutal durch „Randsteinbeißen“.

Das Profil “Fritz Maier” teilt eine schwarz-weiß-rote Fahne mit stilisiertem Reichsadler und schreibt dazu “Ein Volk, ein Reich ein Führer”. Mit dieser Parole hatten die Nazis zur Reichstagswahl aufgerufen.

Rechtsradikales Nest ausheben!

Wir warnen seit langer Zeit vor dem Kern der “Steeler Jungs”. Die Politik muss endlich Maßnahmen ergreifen, dieses rechtsradikale Nest auszuheben! Dazu müssen alle Register gezogen werden!

Wir fordern

  • ein Machtwort von RWE: Rot-Weiss-Essen muss endlich diese rechtsradikalen Machenschaften eines Teils seiner Fans verurteilen, sich scharf von dem Agieren der “Steeler Jungs” distanzieren und ihnen untersagen in Kluft im Stadion zu erscheinen!
  • dass die Polizei ihre Strategie der “1000 Nadelstiche” endlich gegen die rechtsradikale Szene in Essen anwendet. Dazu gehört eine enge Begleitung von Versammlungen der Rechtsradikalen mit deutlich mehr Personal und nicht nur einigen wenigen “gewöhnlichen” Streifenpolizist*innen.
  • dass die Essener Polizei und die Ordnungsbehörden jegliche juristische Möglichkeiten auslotet und ergreift, die bedrohlichen Aufmärsche von Rechtsradikalen in die Schranken zu weisen und zu reduzieren.
  • dass das Ordnungsamt die Sportsbar “300” unter die Lupe nimmt und alle sich ihr bietenden Möglichkeiten, wie etwa beim Brandschutz, oder der Konzession des Lokals, auslotet, um die “Steeler Jungs” in ihre Schranken zu weisen.
  • spezifische, messbare, aktivierende, realistische und terminierte Maßnahmen der Stadt Essen, die im Rat beschlossene Resolution in die Tat umzusetzen und Initiativen gegen die “Steeler Jungs” zu unterstützen.
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